Es scheint etwas faul im Staate Dänemark.¹ Offensichtlich erfahren zum Zeitpunkt Pamphlete, Schmähbriefe und verunglimpfende Schriften eine Renaissance. Leider spielt es für deren Autoren meist keine Rolle, ob sie in Sachen Interpunktion und Orthografie ins Schwarze treffen, sodass man beim Lesen bereits nach wenigen Zeilen eher ins Fehlersuchen abdriftet und den Sinn des Geschriebenen außen vor lässt. Doch ich bin ein bescheidener Mensch und werde mir nicht anmaßen, irgendwelche Leute aufgrund ihrer Unfähigkeit zu beleidigen – denn sie wissen es ja nicht besser. Doch bevor ich hier anfange, sinnentleert zu schwadronieren, gehe ich lieber auf die wirklich wichtigen Probleme unserer Zeit ein.
Diese schönen Zeilen schrieb einst Joseph von Eichendorff in seiner Novelle „Aus dem Leben eines Taugenichts“. Die Orthografiefehler, die vermutlich dem Großteil meiner Leserschaft sowieso nicht aufgefallen wären, sind übrigens der Zeit geschuldet, in der Herr Eichendorff lebte.
Meine Beweggründe, die oberen Zeilen zu zitieren, sind keinesfalls willkürlich. Es ist nicht lange her, da wurde ich (oder mein alter Ego) als Wolf im Schafspelz bezeichnet. Diese Einschätzung trägt schon aus einem Grund nicht: Ein Wolf hat, das lehrt uns sein Wesen und die damit verbundenen Geschichten, immer niedere Beweggründe. Diesen Vorwurf möchte ich als Altruist alter Schule (!) von mir weisen; die Begründung dafür habe ich bereits gegeben.
Die Aufforderung des Vaters (oder des lieben Gottes?) im obigen Text ist beinahe 1:1 auf unsere heutige Zeit umzumünzen. Vergangen Samstag, das wissen wir alle, fand in unserem Hause ein Zusammentreffen statt, welches für einige Anwesende mit bösen Überraschungen enden sollte. Der eine feierte sein persönliches Waterloo ab, der andere versuchte sich mit fadenscheinigen Gründen um das nächste Bier zu reden („I bin krank! I bin krank!“ Man fühlte sich an den Hahn – seines Zeichens Mitglied der „Bremer Stadtmusikanten“ und einer der Hauptakteure eben jenes Märchens – erinnert, der mit dem gleichen Krächzlaut schrie: „Bringt mir den Schelm!“ (wobei er in dieser Version sogar der Schelm höchstselbst ist!)); ein weiterer Besucher soff sich im Limbo-Dance-Stil schon nach 4 Bieren und ein wenig Sekt in den Antisäufer-Olymp (oder wäre hierfür wohl eher der Hades zu nennen?), während der wahre Wolf im Schafspelz eine einzige Aktion am Abend brachte, die irgendjemand von Nutzen war: Er rief seinen Vater an, damit dieser uns in unserem eher unnüchternen Zustand abholte.²
Ansonsten wurden von meiner Seite keine Ausfälle ausgemacht. Zwei der drei Veranstalter (einer von ihnen noch 2008 zum „Mann des Jahres“ gewählt, der andere 2009 mit dem Waterloo-Liebhaber zu den „Men of the Year“) feierten ein Feuerwerk der guten Laune ab, das auch im strömenden Regen von Zöbingen nicht zum Erlöschen gebracht werden konnte. Die Gewinner des Abends stehen demnach eindeutig fest.
Was die Beleidigungen und Anfeindungen auf anderen Blogs angeht, so möchte ich mich für den Rest dieses Artikels in den Mantel des Schweigens hüllen. Nur so viel sei gesagt: Jeder objektiv denkende Leser wird mir recht geben, nachdem er diesen Artikel gelesen hat. Das war wirklich Dialektik auf höchstem Niveau.³
Ich bedanke mich vorerst fürs Lesen dieser Zeilen und verbleibe mit aller Bescheidenheit,
Thomas
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1: frei nach William Shakespeares „Hamlet“
2: Unser Retter in der Not konnte natürlich nicht ahnen, dass er von einem Mitfahrenden die ganze Zeit als „Schelle“ beschimpf wurde.
3: Mich würde nicht wundern, wenn einige meiner Leser das Buch „Niveau ist keine Hautcreme“ gelesen hätten und danach immer noch glaubten, dass Niveau eben doch eine Hautcreme sei. Bevor beschwerden kommen: Mir ist klar, dass besagtes Buch nur eine sinnlose Aneinanderreihung von dämlichen Zitaten unserer Zeit ist.
Die Dialektik ist hierbei allerdings nicht vollkommen außer Acht zu lassen. Sven Regener legt in seinem fabelhaften Roman „Neue Vahr Süd“ die Kunst der Dialektik in den Schoß des Martin Klapp. Dass dieser eigentlich gar nicht erklären kann, was Dialektik genau ist, ist vermutlich das hüpfende Komma in diesem brillanten Roman, der unbedingt zum besseren Textverständnis meiner Einträge gelesen werden sollte.

