Ernest Hemingway…war ein Jude.

Eine ganz normale Unterrichtsstunde in einem ganz normalen Gymnasium in einer ganz normalen Stadt.
Es ist später Nachmittag, die Schüler sind müde, wollen sich nicht mit den vorgegebenen Themen des Lehrers auseinandersetzen und bei einigen der Anwesenden merkt man deutlich, dass sie diese Gestalt, die sich am Pult breit macht, am liebsten erwürgen würden. Die Minuten plätschern dahin, draußen hat es seit Tagen Temperaturen jenseits der 30 Grad. In den Köpfen geistern keinesfalls die altehrwürdigen Herren Schiller oder Dürrenmatt, sondern die Gedanken kreisen um ausgelassene Partys, wilde Feste, Freizeit ohne Ende.
Doch bevor der Meute erlaubt wird, die Bücher vom Tisch zu räumen und unter lauten Schreien das Klassenzimmer verlassen zu dürfen, muss der letzte Punkt des Tages abgehandelt werden: Die Neuzeit.
Es werden verschieden Autoren an der Tafel angeschrieben, die Debatte geht unter allgemeinem Aufruhr unter.
„Was machen diese Menschen für ein Spektakel?“, mag sich der Lehrer fragen. „Was sind das für Leute, mit denen ich hier in einem Raum meinen Nachmittag verbringen muss?“
Also steht er auf, wandert gemächlich durch die Reihen, prüft, wie sich seine Schüler mit den gegebenen Aufgaben schlagen.
„Bismarck ist ungefähr halb so groß wie Deutschland“, hat die Klassendümmste auf ihr Papier geschrieben. Nachdem sie in die Augen des Lehrers blickt, streicht sie das Wort „Deutschland“ und ersetzt es durch „Luxemburg“.
Kopfschüttelnd läuft dieser Mann, der einem Außenstehenden einfach leid tun muss, quer durch den Raum. In der ersten Reihe sitzt der Klassenprimus. „Der Klassenprimus“, denkt sich der Lehrer. „Der Klassenprimus ist doch gleichzeitig auch der Klassenprimat. Für den Klassenprimus haben die meisten Menschen doch sowieso nur Hass übrig.“
Entsetzt ob seiner Gedankengänge schreitet der Lehrer an die Tafel, wischt alles Geschriebene ab und stürzt sich – nicht ohne davor noch einmal die Runde zu blicken – aus dem Fenster.

Ich glaube, ich werde nicht auf Lehramt studieren.

~ von Thomas am Mai 26, 2009.

2 Antworten to “Ernest Hemingway…war ein Jude.”

  1. Man muss doch auch mal die positiven Seiten dieses Berufs sehen: Ein Halbtags-Job der wie ein Ganztags-Job bezahlt wird. Wär eigentlich genau mein Ding…
    Und das mit Bismarck darf man nicht so eng sehen. Das kann jedem mal passieren.Es kann ja nicht jeder wissen, dass Bismarck eine Geheimoperation im 30jährigen Krieg zur Ermordung Stalins war.

  2. Glückwunsch zu einer der wahnsinnigsten Kurzgeschichten der Neuzeit.Phantastisch erzählt,real im Inhalt.

    Der BRIEGEL wird demnächts ein „Literatur Spezial“ herausbringen, um dem geistigen Niedergang des vergläserten Michels, vor allem der jüngeren Semester, hart Einhalt zu gebieten und die etwas entgleisten Vorstellungen von Kunst, speziell der geschriebenen, wieder zurechtzurücken.

    Schon allein der Überschrift wegen, wird dieses Werk samt Autor Erwähnung finden.

    „Ob gut oderrr schlecht,
    das weiß ich nicht so rrrecht.“ (Marcel Reich-Ranicki-Hemmingway)

    Für eventuelle „Attacken unter die Gürtellinie“ u.ä. fehlt diesem raren Blatt jedoch jegliches Gespür/Verständnis und lehnt daher jede Verantwortung ab.

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